„Sascha“, stationär aufgenommen

Rettung einer Mönchsgrasmücke in Innsbruck-Stadt

Mönchsgrasmücke
Die meiste Zeit hilt der Vogel die Augen geschlossen, nur manchmal öffnete er sein rechtes Auge.

Sascha ist eine kleine, männliche Mönchsgrasmücke und vermutlich jetzt, Mitte April, gerade aus dem Süden zurück. Doch, wie es das „Schicksal“ so will, gab es gleich bei seiner Ankunft richtig windige Tage und Sascha wurde nicht verschont.

Seit einiger Zeit besuche ich einen Kurs am Wifi (Wirtschaftsförderungs-Institut) in Innsbruck. Mein Heimweg am Freitag führte mich dadurch an einer Hausmauer des Wifi vorbei. In ein Telefonat versunken, war mein Blick beim Gehen auf den Boden gerichtet und plötzlich sah ich einen kleinen, grauen Feder-Knödel am Boden sitzen. Der Wind blies einige lose Federn des kleinen Vogels weg, der seinen Kopf unter einen Flügel gesteckt hatte und ein wenig zitterte.
Ich beendete alsbald mein Gespräch und hob den Kleinen kurzerhand auf. Er holte seinen Kopf unter dem Flügel hervor und sah mich mit einem Auge an. Die linke Kopf-Seite des Vogels sah etwas geschwollen aus und das linke Auge ließ er geschlossen.
Gedanken schossen mir durch den Kopf, was ich nun mit dem Vogel machen könnte. Auf jeden Fall aber mitnehmen und von dieser stark befahrenen Straße wegbringen!

Ich vermute mal, dass dieses „Schwarzplattl“, wie die Mönchsgrasmücke in Tirol noch genannt wird, durch den starken Wind gegen ein Auto geschleudert wurde und dann auf dem Gehsteig beim Wifi Schutz suchte.
Besonders meine warmen Hände schienen dem Tier zu gefallen. Es kuschelte sich richtiggehend in meine Hand und schloss die Augen. Mein Versuch, den Vogel auf einer geschützten Stelle wieder frei zu lassen lief leider schief. Er wollte meine Hand nicht verlassen und seine Krallen umklammerten meine Finger fest. Somit habe ich ihn in meinen Händen gelassen und mit nach Hause genommen.

Die Fahrt nach Hause verlief recht gut, im Bus traf ich zwei Damen, wo mir eine Dame gleich berichtete, dass sie von dieser Vogel-Art erst kürzlich in der Zeitung gelesen hatte.
Nach dem Umstieg in den Zug, spürte ich plötzlich etwas warmes, feuchtes in der Hand… Ich freute mich jedoch über dieses Geschenk, da es ein Zeichen war, dass es dem Vogel schätzungsweise besser ging, als gedacht.

Zuhause angekommen, ging ich mit dem Tier in der Hand gleich ins Bad, um zu sehen, ob Sascha vielleicht durstig ist. Er war jetzt sogar etwas neugierig und besah sich den Wasser-Strahl, trank aber nicht. Erst, als ich mit meinem Zeigefinger in den Strahl „pickte“, machte er es mir nach und trank Wasser.
Meine Freude war groß. Er hatte eine Chance, den morgigen Tag zu erleben.
Ich hatte von meinen anderen Tieren eine große, durchsichtige Plastik-Box mit Deckel und Luft-Löchern und richtete diese für den Vogel ein. Dazu nahm ich ein Handtuch, einen flachen Aschenbecher mit Wasser, ein paar Äste und eine Wurzel, da sich Mönchsgrasmücken lieber nicht am Boden aufhalten. An einer Stelle legte ich noch eine wenig temperierte Wärmflasche unter das Handtuch und setzte den Vogel darauf. Die Box stellte ich ins Badezimmer, da es dort wärmer war und der Vogel offensichtlich ausgekühlt war.

Sascha war nun „Stationär aufgenommen“ und ich ging schlafen.

Am nächsten Tag wurde ich von meiner Mama geweckt, noch bevor mein Wecker läutete.
Sie hatte sich eben geduscht und berichtete mir, dass der Vogel in der Plastik-Box umher hüpfen würde und es so aussieht, als ob er heraus möchte.

Freudig verlies ich mein Zimmer und ging noch etwas verschlafen ins Bad. Da sah ich dann auch schon, dass er in der durchsichtigen Box umher hüpfte und nach einem Ausweg suchte.
Ich nahm die Box und trug sie ins Wohnzimmer, dort öffnete ich das Fenster und stellte die Box auf das Fensterbrett.
Als ich den Deckel einen Spalt öffnete, machte ich noch ein kurzes Video, doch den Vogel wollte ich nicht länger belästigen und nahm den Deckel gleich ganz ab.

 

Sascha war uns Menschen gegenüber relativ ruhig. Er flog auch nicht wild umher, als der Deckel geöffnet wurde. Er suchte auch nachdem der Deckel offen war, immer noch bei den relativ durchsichtigen Box-Wänden nach einem Ausgang. Ich nahm meine linke Hand und hielt sie in die Box hinein. Sascha sprang sofort auf meine Hand und ich konnte sie langsam nach oben heben. Sobald er jedoch die in frühlingsgrün gehüllten Bäume und Sträucher sah, flog er hinaus und setzte sich auf eine hohe Buchenhecke. Dort sah er sich um und ruhte sich vermutlich ein wenig aus. – Nach einigen Minuten war Sascha dann weg und erfolgreich „stationär entlassen“.

Ich hatte es nun etwas stressiger – mein zweiter Kurs-Tag für dieses Wochenende sollte bald beginnen und ich beeilte mich, unter die Dusche zu kommen.

Mönchsgrasmücken gehören ab sofort zu meinen drei Lieblings-Arten bei Vögeln. Sie können ziemlich schnell, sehr zutraulich werden und die Männchen singen wunderschön.

Ich hoffe, dass Sascha heuer noch eine schöne Dame finden wird und ihr seine Lieder vorsingen kann.
Hier noch ein Video mit dem Gesang dieser wundervollen Tiere.

 

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