Bodypainting mit Tigerpython „Baby“

Nackt bemalt und auf den Schultern eine Riesenschlange

USA Werbe-Plakat
Dieses Bild hing in Atlanta, Georgia als Werbe-Plakat.

Anfang diesen Jahr-Tausends lebte ich für einige Zeit in einer Wohngemeinschaft in der Universitätsstraße, 6020 Innsbruck. Es war eine aufregende Zeit und ich lernte viele Leute kennen. Einige Jahre später, es war im Herbst 2009, trat eine Freundin und Bewohnerin dieser Wohngemeinschaft mit einer Bitte an mich heran. In dieser Wohngemeinschaft lebte nun ein Künstler aus Südtirol, der ein Model für sein neues Body-Painting-Projekt suchte.

Doch es wurde nicht irgendein Model gesucht, nein es sollte ein Mensch sein, der eine Schlange hatte. Das Thema war „Verschmelzung Tier und Mensch“. Da ich seit April 1997 genau so eine „lang-gezogene“ Mitbewohnerin mit dem Namen „Baby“ bei mir zu Hause „liegen“ hatte, meinte die Freundin aus der Wohngemeinschaft der Universitätsstraße, ob ich mir vorstellen konnte, dabei mitzumachen.

Der Künstler war Johannes Stötter, der u.a. auch ein hervorragender Musiker ist und mit seinen Brüdern in der Band Burning Mind spielt. Wir haben uns gleich auf Anhieb verstanden. Johannes ist ein Mensch mit einem speziellen Auge für die Farben und Feinheiten seiner Modelle. Egal ob Mensch oder Tier, er findet für jedes Model die passenden Effekte. Auf YouTube sollte man sich Videos seiner außergewöhnlichen Ideen ansehen…

Unser erstes Treffen fand in der Wohngemeinschaft Universitätsstraße statt. Wir planten zusammen, wie das Projekt am besten machbar wäre.
Nun ist eine Schlange (ich habe einen weiblichen Tigerpython) „immer wieder in anderen Umständen“, könnte man beinahe sagen. Wenn sich so eine große Schlange häutet, ist sie vor der Häutung recht dunkel gefärbt und darauf gerne mal zwei Wochen lang „milchig“. Das sind die Lymphe (Flüssigkeit im Körper), die sich unter der Schlangenhaut befinden und zu dieser Zeit ist das Tier nicht nur aufgrund ihres Aussehens ungeeignet, sie kann dabei gerne mal „zubeissen“. Schlangen häuten sich sozusagen „über ihre Augen“ und die Lymphe macht die Tiere daher „blind“ und sehr unsicher. Sie verteidigen sich daher schneller als sonst.
Am besten ist es, man wartet bis einige Tage nach der Häutung, wenn sich das Tier auch noch von der anstrengenden Häutung erholt hat. Dann sind die Farben am schönsten, leuchten richtiggehend und je nach Lichteinfall kommt es zu einer irisierenden Wirkung.
Ein weiteres „Problem“ ist die Fütterung des Tigerpythons. Die Schlange sollte gefressen und auch verdaut haben, was wieder einige Zeit in Anspruch nimmt und hoffentlich will sich das Tier dann nicht wieder Häuten… Außerdem wäre als Jahreszeit der Frühling am geeignetsten…

Alles in allem haben wir ein halbes Jahr abwarten müssen, bis es zum Projekt kam.
Einstweilen besuchte mich Johannes zuhause und fotografierte die Schlange für den Farb-abgleich. Ein anderes Mal besuchte ich Johannes erneut und er fertigte einen „Helm“ aus Gips für mich an, wo wir meine Haare „verstecken“ konnten…

Und schon war der Tag da! Es war der 26. März 2010.
Das Projekt fand in dem Zimmer statt, wo die Schlange lebte. Johannes kam mit den Farben, einer Kamera-Ausrüstung und in Begleitung von Jan Langer der ihm Hilfreich zur Seite stand.
Zuerst schafften wir Platz in dem Raum für unser Vorhaben. Meine Eltern standen uns auch tatkräftig zur Seite. Mein Vater besorgte zwei Bierkisten und eine Schal-Tafel, auf die ich mich später bemalt und samt der Schlange stellen sollte. Meine Mutter nähte den Hintergrund, ein schwarzes Tuch zusammen, das wir an die Wand hängten.

Vorweg kam als erstes eine Probe dran und ich sollte mich mit Kleidung und der Schlange auf das Brett, unsere „Bühne“ stellen. Leider fiel ich beim ersten Versuch um, da ein Python mit 54kg auf ungefähr 4,3 Meter Länge doch etwas schwer und lang ist. Dies sollte mich jedoch nicht abhalten und der zweite Versuch klappte mit Jans Hilfe bestens.
Gleich darauf wurde das Tier wieder auf seinen Platz, die Heizmatte gelegt und wir begannen mit dem Bemalen.

Glücklicherweise war es in dem Raum nicht sehr kühl, das Bemalen sollte ganze vier Stunden benötigen. Anfangs wusste ich noch nicht, ob ich vielleicht einen Slip anbehalten sollte, doch man hätte es auf den Fotos bemerkt und so entschied ich mich, diesen auszuziehen.
Nun gut. Nicht jeder findet daran Gefallen, nackt bemalt zu werden. Und ich gebe zu, vor dem Erlebnis war es schon etwas seltsam, wenn ich darüber nachdachte. Aber als ich die Farben auf meinem Körper sah, fühlte ich mich wirklich wie „angezogen“. Es ist ein geniales Gefühl und ich erfuhr so ein wenig, wie sich die Schlange fühlen könnte.

Manchmal konnte ich mich während ich bemalt wurde noch hinsetzen, aber die meiste Zeit musste ich stehen. Die Anstrengungen bemerkte ich jedoch erst nach dem Projekt…

Endlich war ich fertig!
Diese vier Stunden verflogen trotz allem ziemlich schnell und Johannes hatte entspannende Musik aufgelegt. Allein schon ihm bei der Arbeit zuzusehen ist das Erlebnis wert. Er macht es so vertieft in sich in seine Vorstellungen, wie er das Model sieht, man ist ganz in seinen Bann gezogen.

Und los ging es!
Nachdem ich mich meinen Eltern präsentiert hatte, die total erstaunt waren, holte ich die Schlange wieder hervor und versuchte mit Unterstützung von Jan Langer auf unsere Bühne zu steigen.

Es verlief alles ohne Probleme und der Tigerpython Baby war auch ruhig und schien sich alles in Ruhe „anzusehen“. An den Geruch der Farben hatte sich Baby offensichtlich mittlerweile gewohnt und verhielt sich nicht anders, als sonst auch.
Ungefähr 30 Minuten dauerte die erste „Foto-Session“, wir machte eine kurze Pause, ich rauchte eine oder zwei Zigaretten und der Python lag wieder auf seinem Platz.
Zur Sicherheit machten wir jedoch eine zweite Foto-Serie, die nur mehr knapp 20 Minuten dauerte.

Wir haben es geschafft!
Trotzdem ich mir in diesem aufgemalten Schuppen-Kleid prächtig gefiel, ich wollte als erstes gleich mal unter die Dusche gehen. Die Farben waren natürlich reine Natur-Produkte, doch nach sechs Stunden war ich froh, dass mir meine Mutter mit einer Bürste beim Duschen behilflich war. Auch der Python ging etwas später selbst in sein Badebecken und sollte für die nächsten Stunden ein Bad nehmen.

Langsam bemerkte ich, wie geschafft ich war. Es war sehr anstrengend, wenn auch sehr toll, Teil von diesem Projekt zu sein! Für immer…und auch noch nackt. *wink*

So etwas gibt es wirklich nicht noch einmal. Mittlerweile ist der Tigerpython auch zu schwer und misst jetzt 5 Meter. Bei dieser Länge und Größe würde ich es nicht mehr machen und vermutlich auch nicht mehr ganz schaffen. Die Zeit damals war genau richtig für dieses tolle Projekt und ich bin überaus glücklich, dass so ein wundervolles Bild bzw. mehrere Bilder von meiner geliebten Schlange „Baby“ und mir existieren.

Johannes Stötter ist mittlerweile Body-Painting Weltmeister, hat viele Projekte und Aufträge weltweit und seine Arbeiten waren und sind in großen Zeitungen und Magazinen zu sehen. Außerdem war Johannes Stötter schon bei Stefan Raab zu sehen.

Unser Bild mit der Schlange ist in einem Bodypainting-Buch „verewigt“ und ich freue mich sehr, dass Johannes und ich immer noch in Kontakt stehen.

Wer mehr von Johannes Stötter und seiner Arbeit sehen möchte, hier ist der Link zu seiner Homepage:

Home

Ich möchte auch auf den YouTube-Kanal des Künstlers aufmerksam machen, den ich oben schon erwähnt habe…

https://www.youtube.com/user/johannesstoetterart/

 

 

 

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